Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, akzeptieren Sie auch den Einsatz von Cookies.

Neuer Leuchtturm webWo es einen neuen Leuchtturm gibt, gibt es sicher auch einen alten Leuchtturm. Wangerooge hat sogar deren zwei, nein eigentlich besser eineinhalb. Natürlich ist da zunächst der Alte Leuchtturm im heutigen Ortskern, der aber zu seiner Gründung ziemlich einsam im Osten der Insel stand. Ja und da war noch der Westturm, der alte Westturm, der 1914 gesprengt wurde, und dessen Laterne in frühen Zeiten der christlichen Seefahrt als hohes Leuchtfeuer diente (begleitet von unchristlichen Flüchen über die schwache Funzel des Kohlebeckens). Der neue Westturm hat zwar noch eine Laterne, die aber bestenfalls uns Besuchern zum Ausguck dient. Deshalb eineinhalb...

Der neue Leuchtturm ist eigentlich von überall der Insel zu sehen, für Anreisende ist er neben dem Westturm der erste sichtbare Insel-Gruß. Kein Wunder, er ist mit seinen 64 Metern Höhe nicht nur Wangerooges höchstes Bauwerk, sondern auch einer der höchsten Leuchttürme an der Nordsee. Nötig würde seine Errichtung, als das Jadefahrwasser auf 13 Meter unter NN vertieft wurde. Das Jadefahrwasser wiederum verbindet Wilhelmshaven mit der Welt der Meere, um dorthin Schiffe mit größerem Tiefgang zu lotsen, musste das Fahrwasser entsprechend vertieft werden. Dabei ging es u.a. darum, dass das neue Leitfeuer einen Ansteuerungssektor anweisen konnte, der ein Auflaufen auf die Sandbank-Ausläufer der Wangerooger Plate vermeiden half. Am 7. November 1969 wurde das Leuchtfeuer offiziell in Betrieb genommen nach etwa 3 Jahren Bauzeit.

Die konische Stahlbetonkonstruktion verfügt über ein Fundament von 24 Betonröhren, die über 10 Meter als Fundament in den Sandboden versenkt wurden. Ursprünglich war der Turm mit roten und weißen Fließen verkleidet gewesen, die allerdings dem herben Nordseewetter nicht stand hielten. An ihre Stelle trat eine abständige Aluminiumverkleidung, die dem Turm sein heutiges Aussehen verleihen. Höhe des Leuchtturms und Sichtweite korrespondieren selbstverständlich - je höher ein Leuchtturm, desto weiter kann er bei der vorhandenen Erdkrümmung wahrgenommen werden. Auf Wangerooge haben wir hierfür ein augenscheinliches Beispiel: Der Helgoländer Leuchtturm – erkennbar an seinem weißen Blitz fast exakt nordwärts von Wangerooge – ist vom Strand aus nur bei Ebbe sichtbar, wenn der Meeresspiegel niedriger ist und den Blick freigibt. Bei Flut muss man schon zum Caffée Pudding hochsteigen, um den Blitz von Norden noch zu sehen – ein Effekt der Erdkrümmung.

Sicher hätte man für diesen Zweck, sichere Umfahrung der Wangerooge Plate, nicht eines der stärksten Leuchtfeuer Europas gebraucht, ähnlich dem weißen Lichtblitz des Helgoländer Leuchtturmes (der allerdings auf den Schultern des Helgoländer Felsens steht und keinen so hohen Bau benötigt). Der rote Lichtblitz des neuen Leuchtturmes, der alle 4,9 Sekunden aufscheint und immerhin 21 Seemeilen weit sichtbar ist, dient auch der Sicherung der weiter außen gelegenen Fahrtrinne des Weserfahrwassers.

Und der neue Leuchtturm hat weitere Signalfunktionen integriert. In 25 Meter Höhe, wo man eine auskragende Galerie wahrnimmt, ist das weiße Leitfeuer für die Sicherung der Jade- und Weserschifffahrt und ein Nebenfeuer mit einer Gürteloptik, die insbesondere abends bei nebliger Luft faszinierende Fotomotive abgibt. Allerdings dient das Gürtelfeuer mit zwei weißen und einem roten Sektor nicht in erster Linie der Ästhetik, sondern warnt vor der weit in die See hinausreichenden Buhne H. Des Weiteren verfügt der Neue Leuchtturm über eine nachgerüstete Radaranlage. Gesteuert wird der Leuchtturm über UKW-Richtfunk von Wilhelmshaven aus, der Strom kommt aus dem örtlichen Netz, bei Ausfall, setzt ein Notstromaggregat im Turm ein.

Vom Basis-Plateau des Neuen Leuchtturmes hat man einen schönen Blick über die Wiesen des Innengrodens und zum Ort Wangerooge, man sieht von dem kleinen Plateau auch gut heranziehende Wetter und kann sich ggf. Im versenkten Eingangsbereich vor einem kräftigen Schauer ins Trockene retten. Der Turm selbst kann leider nicht erstiegen und besichtigt werden.